Chronik

Technische Hilfe in Güstrow - Der Tradition verpflichtet
(Autoren: Peter Adamski †2008, Mathias Safhöfer)

 

Betrachtet man die Geschichte der Technischen Hilfe in Güstrow muss man sehr weit, fast 90 Jahre, in die Vergangenheit reisen. Bereits zu Zeiten der Weimarer Republik wurde die Technische Hilfe in Güstrow groß geschrieben. So gab es hier eine Ortsgruppe der Technische Nothilfe (TN), die Vorgängerorganisation des Technischen Hilfswerks (THW). Sie war als regierungsnahe Freiwilligenorganisation mit der Erhaltung der technischen Infrastruktur in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus betraut.  

Über das Wirken der Ortsgruppe Güstrow sind außer dem Namen eines Ortsgruppenführers (Teichmann, wohnhaft Markt 30 II), einem Foto mit Gasschutzhelfern und der später aus Geheimhaltungsgründen benutzten Ordnungszahl III/10 keine weiteren Daten und Unterlagen vorhanden. 

Hervorgegangen ist die TN aus der im Jahre 1919 durch Otto Lummitzsch gegründeten „Technischen Abteilung“ eines Freikorps der Garde-Kavallerie-Schützen-Division (GKSD), die später durch „Zeitfreiwilligen-Verbände“ ergänzt wurde. Am 30. September 1919 wurden die „Zeitfreiwilligen-Verbände“ aus organisatorischen Gründen von der Technischen Abteilung getrennt und in die neue reichsnahe Organisation „Technische Nothilfe“ umgewandelt und zur Jahreswende 1919/1920 in die Zuständigkeit des Reichsinnenministeriums überführt. Zweck der TN war zunächst die Verrichtung von Notstandsarbeiten in bestreikten, als lebenswichtig eingestuften Betrieben. Ab 1925 wurde einen Einsatz der TN immer seltener notwendig und die Aufgaben verlagerten sich auf die Gebiete Katastrophenschutz und Luftschutz. Von einigen Organisationen wurde sogar die Auflösung der TN gefordert. Es kam zu Entlassungen im Verwaltungsapparat und zur Auflösung von Ortsgruppen. Dennoch etablierte sich die TN aber neben der Feuerwehr und den Sanitätsorganisationen vielerorts als dritte Kraft in der öffentlichen Katastrophenabwehr. Einsätze bei Überschwemmungen, Waldbränden, Eisenbahnunglücken und anderen Schadenslagen nahmen nun den größten Teil der von Nothelfern geleisteten Arbeiten ein. Mit dem Engagement für den zivilen Luftschutz setzte sich die TN sogar an die Spitze der Entwicklung einer Ende der 20er Jahre völlig neuen Art von Gefahrenabwehr. Zu Beginn der 30er Jahre wirkte die TN schließlich sogar im Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) mit. Zu diesem Zeitpunkt waren von den einst 500.000 Nothelfern noch 100.000 Mitglieder übrig geblieben. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, erfolgte eine totale Anpassung an das neue Regime und gleichzeitig wurde versucht die neuen Machthaber von der Notwendigkeit der Technischen Nothilfe zu überzeugen, um der Auflösung zu entgehen. Streiks waren inzwischen generell verboten, daher stellte die TN den technischen Katastrophenschutz und vor allem den Luftschutz vollkommen in den Vordergrund ihrer Arbeit. Ab 1936 wurde die TN schrittweise Teil der technischen Hilfspolizeigruppe in der Zuständigkeit der Ordnungspolizei und somit Bestandteil des Machtapparates. Diese Entwicklung fand ihren Abschluss mit Inkrafttreten des Gesetzes über die Technische Nothilfe vom 25. März 1939. In den Ortsgruppen ging derweil der normale Dienstbetrieb weitgehend seinen gewohnten Gang, und mit der Zeit, als der Bestand der TN nicht mehr gefährdet schien, wurde auch die Mitwirkung an politischen Kundgebungen wieder auf ein von den Machthabern gerade noch toleriertes unteres Maß zurückgeführt. Hilfspionierabteilungen (= Katastrophenschutz) übten den Bau von Trümmerstegen, die Menschenrettung aus zerstörten Häusern und das Schanzen von Deckungsgräben. Zu diesem Zweck entwickelte und erprobte man 1937-39 auch den "Motorisierten Bereitschaftszug". Nachrichtenstaffeln erprobten im Gelände den Einsatz der noch sehr einfachen, oft optischen Übermittlungsverfahren. Der Technische Dienst wurde direkt in den städtischen Versorgungsbetrieben ausgebildet in Betrieb und Reparatur der dortigen Einrichtungen. Im Zusammenwirken mit Feuerwehr und DRK probte der Gas- und Luftschutzdienst den Kriegseinsatz nach Bombenangriffen und beteiligte sich auch an der Selbstschutzausbildung der Bevölkerung. Man bemühte sich dabei, die Hilfeleistung nach dem Vorbild der Feuerwehren zu professionalisieren. Mit Kriegsbeginn waren die Ortsgruppen durch Abzug der meist jüngeren Helfer viel zu klein geworden. So waren die Einheiten des Instandsetzungsdienstes in der Regel unterbesetzt, hoffnungslos überaltert und mit zu wenig qualifiziertem Personal ausgestattet. 

Im Mai 1945 wurde die TN - bzw. das, was von ihr übrig geblieben war - von den Alliierten als Organisation aufgelöst. 

In der BRD erhielt Otto Lummitzsch am 16. September 1950 den schriftlichen Auftrag des damaligen Bundesinnenministers Gustav Heinemann, mit der Aufstellung eines zivilen Ordnungsdienstes zu beginnen. Im Zivil- und Katastrophenschutz waren zum damaligen Zeitpunkt kaum Strukturen in der neu gegründeten Republik vorhanden. Dies war die Geburtsstunde des Technischen Hilfswerks und Lummitzsch wurde der erste Direktor. Die Bezeichnung „Technisches Hilfswerk“ (THW) als Wortschöpfung war indes nicht neu, sondern bereits Titel einer TN-Werbebroschüre von 1920 gewesen. Seit 1953 ist das THW durch den Errichtungserlass des Bundesinnenministeriums eine Bundesanstalt. Das THW wurde mit Bergungs- und Instandsetzungsaufgaben im Zivilschutz betraut. In der Epoche des Kalten Krieges und der Teilung Deutschlands auch zur Aufrechterhaltung der „Öffentlichen Sicherheit“ gegründet, hat sich das THW seitdem in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt, in der ca. 80.000 Helfer und Helferinnen ehrenamtlich mitwirken.  

In der DDR wurden die Aufgaben des Katastrophen- und Zivilschutzes von der Zivilverteidigung (ZV) wahrgenommen.  

Doch die Entwicklung ging langsamer voran als in der BRD. Erst 1958 verabschiedete die Volkskammer der DDR ein „Gesetz über den Luftschutz in der DDR“, welches sich an dem in der Sowjetunion existierenden Luftschutz orientierte. Aufgabe war der Selbstschutz der Bevölkerung, Aufbau des Betriebsluftschutzes mit rückwärtigen-, landwirtschaftlich und chemischen Diensten, und der Luftinformationsdienst. 1970 wurde der Luftschutz dann mit Gesetz über die Zivilverteidigung der DDR in eine Zivilverteidigung übergeleitet, die Bestandteil der Landesverteidigung war. 1978 wurde dieses Gesetz außer Kraft gesetzt und die Maßnahmen der Zivilverteidigung in das „Verteidigungsgesetz“ der DDR mit aufgenommen. Der Katastrophenschutz wurde 1981 per Verordnung der Zivilverteidigung als Bestandteil zugeordnet. Die Einsatzkräfte unterteilten sich in territoriale und betriebliche Einsatzkräfte. Zur Aufstellung und Vorbereitung von Einsatzkräften der ZV wurden die Leiter von Betrieben von den jeweiligen Leitern der Zivilverteidigung (Bezirk, Kreis, Stadt) beauftragt. Das Personal ganzer Formationen konnte sich demzufolge aus einem Betrieb rekrutieren. Diese fanden sich dann in Formationen (Bereitschaften, Abteilungen, Züge, Gruppen, Trupps) und Einrichtungen (Spezialeinrichtungen und Laboratorien mit dem Schwerpunkt ABC-Schutz) wieder. Ihre Aufgaben waren Schutz der Bevölkerung, Erhöhung der Standhaftigkeit der Wirtschaft sowie des Schutzes kultureller Werte in Gefahrensituationen und die Durchführung von Rettungs-, Bergungs- und Instandsetzungsarbeiten bei Katastrophen, schweren Havarien und nach militärischen Auseinandersetzungen. 

Entsprechende Formationen und Einrichtungen der ZV gab es natürlich auch in Güstrow. Ihre personelle und materielle Basis hatten die ehrenamtlichen Einsätzkräfte der ZV in den örtlichen Betrieben und Einrichtungen. Mit der Umorganisation des Wirtschaftsgefüges und Neuregelung staatlicher und kommunaler Zuständigkeiten 1989 zerfielen die Grundlagen für diese Einsatzkräfte. 

Bereits kurz nach der Öffnung der Grenze zwischen beiden deutschen Staaten im November 1989 reiften daher erste Gedanken zur Veränderung der Katastrophen und- und Zivilschutzstrukturen in der DDR. Aber ein neues System musste gefunden werden, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Der Blick der Leitung der ZV des Bezirkes Rostock richtete sich, was lag näher, nach Westen. Nach dem Vorbild des THW sollte ein Katastrophenhilfswerk (KHW) entstehen. Die im Ergebnis der Wiedervereinigung erwachsende Notwendigkeit einheitlicher Zivilschutzstrukturen in allen zukünftigen Bundesländern zwang dann allerdings dazu, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen. Nachdem die notwendigen verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen waren, entstanden die ersten Ortsverbände in der ehemaligen DDR. 

So konnte unter anderem im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns, in der Barlachstadt Güstrow am 09. Mai 1992 ein Ortsverband, als fünfter in MV, gegründet werden.  

Vorher galt es aber noch viele kleine und große Probleme zu lösen. Denn auch wenn sich in Güstrow ehemalige Helfer der ZV zur ehrenamtlichen Mitarbeit im THW bereit erklärten, war es doch oftmals ein zähes und zum Teil auch langwieriges Ringen, um alle auftretenden Schwierigkeiten zu bewältigen. Zunächst musste eine Persönlichkeit gefunden werden, die bereit, von anderen gewollt und auch in der Lage war, die Führung des Ortsverbandes Güstrow zu übernehmen und die in der Aufbauphase vorhandenen immensen Belastungen zu tragen. Ein zweites Problem war die Suche einer geeigneten Unterkunft. Die reichlich vorhandenen, nunmehr bundeseigenen Liegenschaften erwiesen sich recht schnell als völlig ungeeignet. Entweder waren sie zu groß, die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt oder einfach zu teuer.

Beide Probleme konnten für den Ortsverband Güstrow gelöst werden. Für die Funktion des Ortsbeauftragten wurde Kurt Sternberg gewonnen. Als Unterkunft fand sich ein Gebäude „Am Sonnenplatz“ in Güstrow, wobei diese Adressangabe leicht irreführend ist, da die postalische Adresse tatsächlich „Zu den Wiesen“ lautete. 

Mit diesen Voraussetzungen wurde dann am 09. Mai 1992 im Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Güstrow der Gründungsakt durch den damaligen Landesbeauftragten für Schleswig-Holstein, Herrn Dr. Hans-Ingo Schliwienski im Beisein vieler Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Partnerorganisationen vollzogen. 

Damit die damals acht Helfer die an sie gestellten Anforderungen auch erfüllen konnten, wurden im Rahmen der Veranstaltung als Basisausstattung jeweils ein vollausgerüsteter Gerätekraftwagen und Mannschaftskraftwagen übergeben. 

Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten des THW demonstrierten dann die Helfer aus den Fachdiensten des Paten-Ortsverbandes Preetz (Schleswig-Holstein). 

Der Ortsbeauftragte Kurt Sternberg und seine 7 Helfer waren frohen Mutes und begannen mit der Arbeit. So galt es doch einen Ortsverband mit einem Bergungszug (38) W1 /SP (mit Schlauchboot und Sprengausstattung), einem Instandsetzungszug, einer Notstrom- und Pumpengruppe, einem Verpflegungstrupp und einem Leichten Bergungstrupp aufzubauen, der ca. 100 Helfern und 15 Fahrzeugen Platz bieten sollte. 

Sie konnten ja noch nicht ahnen, welche Probleme, Strukturänderungen und Odysseen durch  diverse Unterkünfte der Ortsverband noch würde überstehen müssen. 

Die Unterkunft, die kostenlos vom Landkreis Güstrow bereitgestellt und bereits im März 1992 bezogen wurde, das war von vornherein klar, konnte nur eine Behelfslösung sein. Es war mehr eine Baracke als ein Gebäude. Enge Räume und ein nicht beheizbarer Schulungsraum, der gleichzeitig Umkleideraum und Geräteraum war, machen dies deutlich. Die Garagen für die Fahrzeuge befanden sich ca. 4km entfernt am anderen Ende von Güstrow. 

Doch die Planungen für eine neue bessere Unterkunft waren bereits in vollem Gange. Der Landkreis plante auf dem Gelände einer ehemaligen Radarstation der GUS den Bau eines Katastrophenschutzzentrums und das THW sprang natürlich auf diesen fahrenden Zug auf, zumal das Gelände ausreichend Platz bot. In Verhandlungen mit dem Kreis und dem Bund als Eigentümer konnten Gebäude und Grundstücksfläche für das THW gesichert werden. Auch ein frühzeitiger Baubeginn war möglich, welcher dann auch 1993 in der vorhandenen Fahrzeughalle mit dem Einbau von Rolltoren erfolgte. Die Bauarbeiten an der Halle zogen sich auf Grund von Vandalismus und fehlerhafte Bausführung bis Anfang Januar 1995 hin. Die Bedingungen in der Unterkunft „Zu den Wiesen“ wurden immer schlimmer und das Gebäude war bereits in einem stark baufälligen Zustand. Von der Elektrik ging inzwischen Brandgefahr aus und auch das Dach musste abgestützt werden. Nicht gerade optimale Bedingungen, um die Einsatzfähigkeit des Ortsverbandes aufrechtzuerhalten. 

Dennoch gelang es dem Ortsbeauftragten und seinen Helfern die Strukturen zu festigen, die Ausbildung voranzutreiben und neue Helfer zu gewinnen. Es gab erste Ausbildungen, auch mit anderen Ortsverbänden, einen ersten Tag der offenen Tür am 22.08.1992, Fahrten nach Lüneburg, Preetz, Straßburg und weitere Veranstaltungen (Freizeitmesse etc.). Vom Tod sollte der Ortsverband auch nicht verschont bleiben. Im August 1992 verstarb der noch junge Helfer Heiko Alisch bei einem tragischen Unfall.Manche Stabssitzung musste in den Anfangszeiten auch im roten VW Polo des Zugführers Manfred Müller stattfinden, dies immer dann, wenn der Schlüsselverantwortliche mal wieder zu spät kam.

Sogar eine Jugendgruppe konnte im September 1992 gegründet werden, die leider aber Ende 1994, sicherlich auch bedingt durch die Situation um die Unterkunft, zerfiel. Ganze 9 Jahre sollte der Ortsverband dann ohne Jugendgruppe bleiben. 

Im Jahr 1993 gab es den ersten Einsatz für den Ortsverband. Nach einem großen Sturm galt es zusammen mit dem Ortsverband Neumünster im Raum Güstrow Windbruch zu beseitigen, Notstrom zu liefern sowie Beleuchtung zu stellen. Die Helferzahl war zu diesem Zeitpunkt bereits auf 17 angestiegen. 

Der 30.07.1994 ein weiteres freudiges Ereignis für den OV, es gelang einen Förderverein, die Vereinigung der Helfer und Förderer des Technischen Hilfswerks Güstrow e.V., ins Leben zu rufen, der sich insbesondere die Förderung des Zivil- und Katastrophenschutzes und der Jugendarbeit zum Ziel gesetzt hat. 

Auch verbesserte sich die Ausstattung erheblich und weitere Fahrzeuge kamen hinzu. Ende 1994 zählte der Ortsverband 27 Helfer. 

1995 war ein bewegendes Jahr, ein Jahr der vielen Veränderungen. Man plante auf Grund der Baufälligkeit der Unterkunft „Zu den Wiesen“ auf dem Gelände der Radarstation zum Ende des Jahres die Fertigstellung einer neuen Bleibe in Containerbauweise. Das THW-Neukonzept wurde umgesetzt, das auch eine völlig neue Struktur für den Ortsverband bedeutete. Die neue innen- und außenpolitische Lage veranlasste die Bundesregierung dazu, das THW umfangreich umzugestalten. Aus dem Bergungszug wurde der Technische Zug (TZ), als Basiseinheit. Die Spezialeinheiten und der Instandsetzungsdienst wurden zu Fachgruppen (FGr) um- bzw. zu den Sanitätsorganisationen und Feuerwehren ausgegliedert. Aus den früheren Einheiten in Güstrow wurden nun OV-Stab, TZ, FGr Infrastruktur und FGr Logistik mit dem -Materialerhaltungstrupp. Das Aufstellungssoll verringerte sich auf 60 Helfer, an den Fahrzeugen und der Ausstattung änderte sich aber erst einmal nichts.

Ende des Jahres, mitten im Winter, stand dann endlich der von den 32 Helfern langersehnte Umzug in eine neue Unterkunft an. Doch entgegen allen Erwartungen und Planungen ging es nicht auf das Objekt der ehemaligen Radarstation, sondern es wurde eine bundeseigene Liegenschaft in der Glasewitzer Chaussee neben dem Segelflugplatz bezogen. Die Radarstation musste wegen weiterer Widrigkeiten, der Dringlichkeit eines Umzuges und der Absehbarkeit, dass eine Fertigstellung nicht rechtzeitig würde erfolgen können, aufgegeben werden. Sie wurde später komplett abgerissen. 

Der Umzug gestaltete sich doch recht schwierig und war nicht ohne fremde Hilfe zu schaffen. Die Fahrzeuge blieben auf Grund der Witterungsverhältnisse und des schlechten Diesels mitten im Stadtverkehr liegen. Dennoch konnte der Umzug Anfang 1996 vollendet werden und die Helfer sollten bis 1998 hier ihr Heim finden. Die Möglichkeiten vor Ort waren dennoch nicht die besten, so gab es weder einen Umkleideraum noch einen Schulungsraum. Das Sozialgebäude selbst bestand nur aus einem größeren Besprechungsraum, zwei kleinen Büros, einer Küche mit Lagerraum und dementsprechend unzureichenden Sanitäranlagen. Umgezogen wurde sich während dieser Zeit in der Fahrzeughalle, bis endlich 1997 eine Containereinheit aufgestellt wurde, die sowohl einen Schulungsraum, als auch einen Umkleideraum enthielt. In dieser Zeit wurde die Ausstattung den neuen Erfordernissen angepasst, ergänzt und modernisiert. So wurde unter anderem 1997 dem Ortsverband für den Materialerhaltungstrupp der Fachgruppe Logistik ein LKW-Kipper mit Ladekran und ein Werkstattanhänger übergeben. Letzterer war allerdings fast leer und sollte auch in Güstrow nie seine komplette Ausstattung erhalten. Der Materialerhaltungstrupp konnte daher während seiner Zeit im Ortsverband nie einsatzbereit gemeldet werden. Aus dem gesellschaftlichen Leben der Stadt und des Landkreises Güstrow war der Ortsverband ebenfalls nicht mehr wegzudenken, nahm er doch rege an Veranstaltungen teil, um sich zu präsentieren, Helfer zu werben und zu unterstützen. Insgesamt 37 Helfer verrichteten zu diesem Zeitpunkt ihren Dienst beim THW. Den größten Einsatz bis dahin hatte der Ortsverband dann 1997 beim Oder-Hochwasser. Über zehn Helfer waren dort im Einsatz.

1998 stellte man im Rahmen der Überprüfung von DDR-Vermögenswerten fest, dass der Grund und Boden der THW-Liegenschaft dem Bund gehört, aber die Gebäude im Eigentum eines Dritten stehen. Dies führte dazu, dass ein weiterer Umzug notwendig wurde. Zusammen mit einem Vertreter des Länderverbandes suchte der Ortsbeauftragte dann über Monate nach einer geeigneten und bezahlbaren Unterkunft. Man fand sie im Heideweg 43 in einem Gebäude einer ehemaligen Meliorationsbaufirma. Das Objekt war zwar nicht neu, wurde vom Vermieter aber noch einmal renoviert und bot dem Ortsverband und seinen Helfern nun optimale Bedingungen. Im Sozialtrakt gab es genügend Büros, eine große Küche, einen großen Aufenthaltsraum, erstmals auch eine Werkstatt und sanitäre Einrichtungen waren ebenfalls in ausreichender Anzahl und auch für Helferinnen vorhanden. Da der Umzug mal wieder im Winter stattfand, blieben die üblichen Probleme, wie das Liegenbleiben von Fahrzeug nicht aus. In der neuen Unterkunft konnte sich der Ortsverband nun richtig austoben. Die Fachgruppe Infrastruktur bekam 1999 noch ein weiteres Fahrzeug einen Unimog der Firma Mercedes Benz als Mannschaftslastwagen mit Pritsche (MLW I) übergeben, das Geländefahrzeug schlechthin. Bei der im Sommer 1999 folgenden ersten großen Übung des Landkreises auf dem Flughafen Rostock-Laage konnten sich die Helfer dann, gut ausgebildet, auch entsprechend bewähren.

Es lief so gut, dass nun 43 Helfer dem Ortsverband angehörten. Im Laufe des folgenden Jahres (2000) musste dann allerdings zehn Helfer aus beruflichen, gesundheitlichen und privaten Gründen ihren aktiven Dienst beim THW beenden. Im Jahr 2001 folgte der psychisch belastendste Einsatz. Das THW bekam den Auftrag, in einem gerade abgebrannten Gebäude nach einer noch vermissten Person zu suchen. Den ganzen Ortsverband, auch den OV-Stab, forderte 2002 das Elbe-Hochwasser. Die Helfer waren sowohl in Ludwigslust als auch in Boizenburg eingesetzt. Was dann folgte war ein Jahr der Einbrüche. Insgesamt vier waren 2003 zu beklagen, die einen Schaden im fast sechsstelligen Bereich verursachten. Es wurden Fahrzeuge beschädigt (bis hin zum Totalschaden). Ausstattung wurde gestohlen, die teilweise erst Jahre später nach anderen Einbrüchen in der Gegend wieder auftauchten. Dennoch konnte dies die Stimmung im OV nicht vermiesen. Es gelang in diesem Jahr sogar wieder eine Jugendgruppe mit anfangs 7 Junghelfern aufzubauen. Die Gründung dieser erfolgte am 08.11.2003. Auch wurde der eingeschlafene Kontakt zum Paten-Ortsverband wiederbelebt. Dieser übernahm auch die Patenschaft für die Jugendgruppe. Darauf aufbauend erfolgten in den folgenden Jahren Besuche zu Veranstaltungen und die Durchführung gemeinsamer Ausbildungen.Zum 01.01.2004 strukturierte sich das THW auch als Ergebnis des 11. Septembers 2001 neu. Mit der Umsetzung des sogenannten Komponentenmodells zu Jahresbeginn gab es zahlreiche Veränderungen in Art und Anzahl der einzelnen Teileinheiten, sowie deren personeller und materieller Ausstattung. Für den Ortsverband Güstrow bedeutete dies im einzelnen die Abgabe der Fachgruppe Infrastruktur und des Materialerhaltungstrupps sowie die Verringerung der Helfersollzahlen in den Bergungsgruppen von zwölf auf neun. Als neue Fachgruppe kam die Fachgruppe Räumen hinzu. Die Technik hierzu wurde aber erst am 20.11. übergeben. Übergeben wurden ein LKW-Kipper 7t (MB 1617, Baujahr 1979), ein LKW-Pritsche (MAN 7t mil gl, Baujahr 1979) als Zugfahrzeug für den mit übergebenen Tieflader (Fa. Achleitner) sowie ein Bergungsräumgerät (Radlader Zettelmeier ZL 1801).Ihren ersten Einsatz hatte die Fachgruppe Räumen 2005, als in Güstrow ein Brandstifter sein Unwesen trieb und diverse leerstehende Gebäude abbrannten. Im gleichen Jahr erhielt der Ortsverband für seinen Zugtrupp ein neues Fahrzeug, einen Ford Transit mit 9 Plätzen, Arbeitstisch und Funk.

Im Jahr 2005 lief auch der Mietvertrag für das Objekt im Heideweg aus, da der Vermieter aber nicht gewillt war zu modernisieren (Fenster, Sanitäranlagen etc.), auch nicht gegen einen höheren Mietzins, musste wieder ein neues Objekt gefunden werden. Nach vielen Besichtigung, Gesprächen und Vorlagen von Investoren entschied man sich für ein Investorenmodel mit dem Neubau einer THW-spezifischen Unterkunft auf Mietbasis. Der Baubeginn erfolgte noch Ende 2005. Mitte August 2006 wurde sie fertiggestellt und der Einzug konnte beginnen, diesmal zum Glück nicht im Winter.Bevor es soweit war, mussten aber noch diverse Einsätze absolviert werden wie Vogelgrippe, Aufbau Bundesjugendlager in Wismar, Brände in Güstrow, Hochwasser bei einem größeren Autoteilezulieferer in Laage-Kronskamp. Auch von einem Einbruch in der alten Unterkunft, dies während der Umzugsphase, blieb man nicht verschont, doch glücklicherweise war der Großteil der Ausstattung bereits in der neuen Liegenschaft untergebracht und so hielt sich der Schaden in Grenzen. 

Die neue Unterkunft bietet alle Möglichkeiten die man sich als Helfer wünscht. Sie ist groß, hat ausreichend Platz, ist hell und macht einen freundlichen Eindruck. Es gibt aber auch Mankos, so ist die Akustik im Unterrichtsraum ziemlich schlecht und im Winter ist die Fahrzeughalle kälter als draußen. 

Im November 2006 wurde die Unterkunft dann offiziell übergeben und gleichzeitig ein Generationswechsel vollzogen. Kurt Sternberg übergab den Staffelstab des Ortsbeauftragten an seinen bisherigen Stellvertreter Mathias Safhöfer weiter, der mit seinen relativ jungen 29 Jahren nun die Leitung des Ortsverbandes übernahm. 

Das Jahr 2007 fing im Janaur mit dem Orkantief Kyrill an. Hier war der Ortsverband nachts bei der Fällung eines Baumes gefragt, da dieser auf die Fahrbahn einer Bundesstraße zu fallen drohte und die Feuerwehren des Landkreises technisch nicht in der Lage waren, den Baum abzunehmen. Weiterhin wurde er zur Notstromversorgung für das Kühllager einer Großküche gerufen. Besonders geprägt war 2007 durch den G8-Gipfel in Heiligendamm. Für die 30 Helfer des Ortsverbandes bedeutete dies im Juni eine sieben Tage andauernde 24-stündige Bereitschaft in der eigenen Unterkunft ohne nach Hause zu dürfen. Pünktlich zum Gipfel wurde durch die Helfervereinigung noch ein Powermoon übergeben, der die ca. fünffache Lichtleistung eines normalen Scheinwerfers abgibt. Glücklicherweise war ein Einsatz des Ortsverbandes während des G8-Gipfels nicht notwendig. Die Zeit wurde dennoch sinnvoll für Ausbildung, Prüfung der Ausstattung, Baumaßnahmen an der Unterkunft und die Gestaltung dieser genutzt. Der G8-Gipfel war eine große teambildende Maßnahme, die die Helferschaft noch enger zusammenschweißte. Große Fußballvereine mieten sich dafür teure Segelschiffe. Einen weiteren Beweis für seine Leistungsfähigkeit lieferte der Ortsverband im September, als er bei einer Großkontrolle der Zollverwaltung eine Kontrollstelle auf einem großen Parkplatz einer Autobahn eigenständig und zur Zufriedenheit des Zolls und der Bundespolizei ausleuchtete sowie Kontroll- und Aufenthaltszelte stellte.

Die 15-Jahr-Feier des Ortsverbandes ging bei diesen vielen Ereignissen fast unter, fand aber dennoch im Mai statt. Besonderheit dieser Veranstaltung war eine Tombola bei der es ein „BMW“ zu gewinnen gab, dieser auch besser bekannt als „Brot mit Wurst“. Eine Rede gab es zwar, sie fiel aber im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, da pünktlich zum Beginn dieser, Regen einsetzte und auf das Dach der Fahrzeughalle prasselte und so von kaum jemanden noch etwas verstanden werden konnte. 

Das Jahr 2008 war einsatzmäßig nicht ganz so spektakulär. Dafür bekam der Ortsverband aber Ausstattung im Wert von über 200.000€ übergeben. Die Helfervereinigung beschaffte mit Hilfe von Sponsoren die Sätze 3 und 4 des Einsatzgerüstsystems (EGS) und eine Tauchpumpe mit einer Leistung von 2500 l/min. Das EGS besteht aus einem Teilemix, der speziell für das Abstützen optimiert ist und beinhaltet Gerüstmaterial für Decken- und Wandabstützungen, Verbauhölzer, Baustützen zur Eigensicherung, ergänzende Gerüstmaterialien und Material zur Verankerung. Die Materialmenge reicht für kleinere und mittelgroße Gebäudesicherungsmaßnahmen. Durch das THW wurden ein neues Stromerzeugungsaggregat (8kVA) und am Ende des Jahres endlich der langersehnte neue Kipper für die Fachgruppe Räumen übergeben. Der Mercedes Axor 1829 ersetzt die Fahrzeuge Mercedes Kipper 1217 Baujahr 1979 und den MAN 7t mil Baujahr 1979. Der neue Kipper ergänzt die Ausstattung der Fachgruppe Räumen optimal. Er kann sowohl die kleinere Technik transportieren als auch einen Tieflader mit zum Beispiel einem Radlader ziehen.


Quellen:
- Dr. Andreas Linhardt, Braunschweig - (TN), http://www.andreas-linhardt.de

- „WIR HELFEN - Das THW - gestern-heute-morgen", Dr. Gernot Wittling


Ortsgruppe Güstrow der Technischen Nothilfe in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts